Ausbau vor dem Aus!?

Leserbrief von Katrin Eping

Herr Brendel wird im Artikel „Ausbau vor dem Aus?“ mit den Worten zitiert, dass der Ausbau der Warendorfer Straße zwischen Umgehungsstraßenende und Handorf „allerhöchste Priorität“ habe. Da sei die IHK zu keinen Änderungen bereit. Ich dachte ja, es handelt sich um einen Ausbau, der Anhand von Fakten und Berechnungen entschieden wird und nicht, wie es ein Interessenverband gerne hätte. Der Rat der Stadt Münster hat sich gegen den Ausbau positioniert, und zwar gegen den gesamten Ausbau auf Münsteraner Grund, auch gegen dieses besagte Teilstück. Für den Ausbau wird im zugrundeliegenden Gutachten mit Verkehrszahlen aus dem Jahr 2016
argumentiert. Darin wird eine Verkehrszunahme auf 35.5000 Fahrzeuge prognostiziert – sofern alle vier Ausbauteilstücke bis Bielefeld umgesetzt werden würden. Nun sollen die Umgehungsstraßen in Warendorf, Beelen und Herzebrock-Clarholz eventuell nicht realisiert werden, dennoch wird mit Verkehrszahlen argumentiert, die auf Annahmen beruhen, und die nur aufgrund des Ausbaus eintreten würden. Auf Höhe der Einfahrt Lützowstraße auf Telgter Grund gibt es eine Dauerzählstelle, diese trägt die Nummer 5330 und kann im Internet eingesehen werden. Die Zahlen sind bis 2003 aufgeführt. Bis 2007 wurden an dieser Zählstelle Verkehrsmengen über 20.000 Fahrzeuge pro Tag gemessen. Seit 2008 wurden die 20.000 Fahrzeuge nicht mehr erreicht und seit 2016 liegen die Werte unter 19.000 Fahrzeugen. Der Verkehr nimmt stetig ab, ein gutes Zeichen, wenn wir die Klimaziele auch im Verkehrssektor erreichen wollen.
Wenn die Verkehrszahlen rückläufig sind, die Kommunen entlang der Strecke den Ausbau nicht wollen, aber die IHK, dann bleibt die Frage was wirklich dahintersteckt? Handelt es sich bei der autobahnähnlichen Kraftstraße eventuell nur um ein Wirtschaftsprojekt und es ist egal was die Bevölkerung vor Ort davon hält? Ist es vielleicht sogar nur ein Kompromiss, den man dann aber auf Biegen und Brechen durchdrücken muss, um überhaupt etwas zu bekommen? Denn die eigentliche Planung aus den 1970ern war die Verlängerung der A43 bis Bielefeld und siehe da, nun ist auf der Homepage von StraßenNRW genau das wieder zu lesen: „Der Abschnitt der B 51 zwischen Münster und Telgte ist Bestandteil der Verbindung von der A1 zur A2 (Münster/Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld).“ Es geht also nicht um Münster, um die Idee klimafreundlich zu werden, Verkehre zu reduzieren und eine gute Anbindung der Vororte in die Kernstadt zu schaffen. Es geht nicht darum, dass unsere Kinder auf dem Fahrradweg sicher zur Schule kommen oder der Bus optimal getaktet ist – es scheint es geht lediglich um die überregionale Verbindung und da stören Ampeln, der landwirtschaftliche Verkehr und die Bahn das angestrebte Tempo von 100km/h nur.
Also alles weg was stört, es handelt sich für die Befürworter lediglich um einen Kollateralschaden! Wir haben da auch Vollstes Verständnis: bei einer Gesamtstrecke von 50,3 km von Ausbauanfang bis zur Auffahrt auf die A2 sollten dann wenigstens die 2,5 km auf Münsteraner Grund dem neusten Straßenstandard für den Individualverkehr entsprechen. (Ironie Ende)