B51 – ES IST ZEIT UMZUDENKEN!

„Klimaschutz ist und bleibt ein wesentlicher Baustein zum Erhalt der menschlichen Lebensgrundlagen auf der Erde. Die Begrenzung des durch den Menschen verursachten Klimawandels und die Anpassung an nicht mehr zu verhindernde Veränderungen sind gesellschaftliche Aufgaben von höchster Priorität. Nicht zu handeln bedeutet, großes Leid, immense Schäden und unwiederbringliche Verluste an Lebensräumen zu riskieren.“ (vgl. Klimaschutzbericht S. 11) So steht es geschrieben im Klimaschutzbericht 2019 zum Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 der Bundesregierung.

Im Klimaschutzbericht ist auch geregelt, dass Deutschland es sich zum Ziel gemacht hat, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 – bezogen auf die Emissionen des Jahres 1990 – um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, bis 2030 um mindestens 55 Prozent. Für den Verkehrssektor, der den dritten Platz mit knapp 19 % CO 2 -Austoß belegt, bedeutet das eine Reduktion von 40-42 % bis 2030.
Wie man nun lesen kann, wird Deutschland aufgrund der Corona Pandemie sein Klimaziel für 2020 erreichen. Allein auf der B51 ist der Verkehr laut der Dauerzählstelle BASt auf Höhe Lauheide von Januar bis August um rund 13% gesunken.

Wäre es denn auch ohne Corona möglich, die Klimaziele zu erreichen? Vielleicht durch Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung (eine Verlagerung von höher emittierenden Verkehrsmitteln, z.B. PKW auf andere Verkehrsmittel, z.B. Bus und Bahn), Verkehrsoptimierung und Emissionsminderung?

Verkehrsvermeidung wäre neben einer geänderten Raumordnungsstruktur auch durch vermehrtes Home Office möglich. Eine Verkehrsverlagerung ist durch einen besseren ÖPNV, auch im Stadt-Umland-Geflecht, machbar. Eine Verkehrsverlagerung wäre auch denkbar, wenn man statt ins Auto aufs Fahrrad steigt. Bei der Verkehrsoptimierung geht es zum Beispiel um eine bessere Auslastung von Fahrzeugen. Dadurch ließe sich Verkehr einsparen und somit auch der CO 2 -Ausstoß. Eine Emissionsminderung ist durch angepasstes Fahren möglich. So kann zum Beispiel durch die Fahrweise und entsprechende Geschwindigkeitsvorgaben Kraftstoff eingespart werden.

Was hat das denn nun mit der B51 und dem Bundesverkehrswegeplan zu tun? Eine ganze Menge! Denn keiner dieser Aspekte wird dort berücksichtig geschweige denn gefördert! Es geht nicht um Verkehrsvermeidung, denn durch den Ausbau soll überregionaler Verkehr angezogen werden, den es heute noch gar nicht gibt. Auf diese erhöhten Verkehrsmengen soll die Bundesstraße ausgelegt werden, auch wenn ein Teilausbau diesen überregionalen Verkehr eventuell nicht anziehen kann – die Flächen sind dennoch unwiederbringlich versiegelt. Eine Verkehrsverlagerung zum Beispiel auf den Bus wird unattraktiver, denn Bushaltestellen an der B51 werden aufgrund der dann neuen Typisierung als Kraftfahrtstraße wegfallen oder verlagert. Eine Verkehrsverlagerung aufs Fahrrad wäre denkbar, jedoch soll es dann keinen Fahrradweg nur noch für Fahrräder geben. Der Fahrradfahrer soll sich diesen Weg dann in Zukunft mit dem Landwirtschaftlichen Verkehr und den Anliegern teilen, wobei eine Höchstgeschwindigkeit von 50km/h erlaubt sein soll. Die Veloroute macht einen Umweg über Handorf und ist für den Telgter
entsprechend länger als direkt an der B51 entlang. Eine Verkehrsoptimierung wäre dann auch nicht mehr notwendig, denn die Kraftfahrtstraße als planfreie Straße wäre ja dann äußerst attraktiv – jedoch nur noch für den PKW- und LKW Verkehr. Eine gerechte Aufteilung des Straßenraums wäre so nicht mehr möglich.

Als Argument für eine Emissionsminderung wird gerne die Stauvermeidung genannt, es wird aber auch gerne damit argumentiert, dass fließender Verkehr bei Tempo 80 weniger CO 2 ausstößt als Tempo 100. Die ausgebaute B51 wird jedoch genauso geplant, dass hinterher auf dem vierspurigen Teilstück Tempo 100 gefahren werden soll.

Es geht nicht, wie Herr Baumeister schrieb, um eine Position als Totalverweigerer – es geht um ein Moratorium, für welches sich der Rat der Stadt Münster mehrheitlich ausgesprochen hat, um gemeinsam eine nachhaltige, klimaschonende und für alle Verkehrsteilnehmer akzeptable Lösung zu erarbeiten, so wie es die Bundesregierung in ihrem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 gefordert hat.

Katrin Eping
Werse 21
48157 Münster